1834 reist die adlige Französin Melanie d'Hervilly - Gohier, Malerin und Freigeist, in Männerkleidung, hoch zu Pferde, um sich den Einschränkungen die damals für das weibliche Geschlecht galten, nicht unterwerfen zu müssen, wegen einer Erkrankung zu dem berühmten Arzt und Begründer der homöopathischen Heilkunst, Dr. Samuel Hahnemann, in Köthen.

Dort hatte sich Samuel Hahnemann, damals schon fast achtzigjährig, sich zur Ruhe gesetzt. Hahnemann und die dreißigjährige Frau die, wie berichtet wird, nicht nur hoch gebildete sondern auch außerordentliche hübsch ist, verliebten sich ineinander.

Hahnemann und die selbstbewusste Melanie d’Hervilly waren so voneinander angezogen, dass sie heirateten. Hahnemann verließ Köthen mit Melanie 1835 und zog nach Paris, um sich dort in einer homöopathischer Praxis niederzulassen.

Nicht nur Hahnemann praktizierte, auch Melanie - seit Monaten seine eifrigste Schülerin - heilte arme Patienten unentgeltlich unter der Aufsicht des Meisters. Nicht nur "tout Paris" besuchte die beiden in ihrer Praxis. Einige Patienten reisten durch ganz Europa um sich behandeln zu lassen. Am Schreibtisch führte Melanie die Anamnesegespräche und Hahnemann saß pfeiferauchend in einem Lehnstuhl neben ihr und hörte zu. Sämtliche Aufzeichnungen wurden auf französisch gemacht, nur manchmal merkte Hahnemann etwas auf deutsch an.

Melanie, eingeführt in die besten Pariser Kreise der Gesellschaft, lernte nicht nur in kurzer Zeit die Homöopathie erfolgreich anzuwenden, sondern sie führte Hahnemann auch ein in die Pariser Salons, die Galerien und Konzertsäle.

Nach seinem 88. Geburtstag erkrankte Hahnemann an einer Bronchitis, die ihn immer mehr schwächte und nach zehnwöchiger Krankheit starb er am 2. Juli 1843. Hahnemann wurde an einem regnerischen Tag im Morgengrauen, nur im engsten Familienkreis in einer kleinen Gruft auf dem Friedhof von Montmarte beerdigt. Jahre nach dem Tod von Melanie 1877 wurden die sterblichen Überreste der beiden 1898 auf den Prominentenfriedhof "Pere Lachaise" umgebettet. Am Grab stehen jedoch nur die Daten von Hahnemann, von Melanies Geburts- und Todestag ist keine Rede.

Entweder wurde sie beim Bau des monumentalen Grabmals absichtlich vergessen - Melanie hatte schon zeitlebens keinen guten Ruf unter den Homöopathen - oder die Information ist falsch.

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass nur durch Melanies Hilfe und mutiger Intervention bei Kaiser Louis-Philippe, Hahnemann diesen Lebenslauf in Paris verfolgen konnte. Ohne Melanies Willen und ihre Freunde und Gönner wäre er nur ein alter Mann gewesen, der seinen Lebensabend mit seiner jungen Frau genießt. Und die Homöopathie hätte nicht den Ruf, den sie heute genießt.

Literaturhinweis: Rima Handley, Eine homöopathische Liebesgeschichte. Das Leben von Samuel und Melanie Hahnemann., 5. Auflage, 2000, München: Beck